Die Phoenix-Chroniken 02. Glut by Lori Handeland

Die Phoenix-Chroniken 02. Glut by Lori Handeland

Author:Lori Handeland [Handeland, Lori]
Language: deu
Format: epub
Tags: Roman
Publisher: Egmont vgs Verlagsgesell.
Published: 2010-12-31T23:00:00+00:00


5

Summer klatschte in die Hände, und die Leute zogen ab, ohne sich auch nur nach uns umzudrehen.

Wie die Dorfbewohner gerade eben, stand ich jetzt wie versteinert da. Jimmy war der Dämon in den Bergen. Was sollte ich nur tun?

Ihn umbringen, höchstwahrscheinlich.

„Wir müssen noch die Namen der Seher aus ihm herauspressen, bevor …“ Summer schnappte nach Luft, und ich verstummte.

„Du kannst ihn nicht umbringen!“

„Oh doch, das kann ich.“

„Du liebst ihn.“

„Was hat denn Liebe damit zu tun?“

Vielleicht liebte ich Jimmy immer noch. Wahrscheinlich. Aber gleichzeitig hasste ich ihn auch. Er hatte mich schon so oft verletzt. Vor nicht einmal einem Monat hatte er mich als seine Sexsklavin gehalten; beinahe hätte er mich umgebracht. Dass er von einem mittelalterlichen Hexenmeister – einem Strega – besessen war, der ganz nebenbei auch noch sein lieber guter Papi war, tat dabei nichts zur Sache.

Jimmy war ein Dhampir – halb Vampir, halb Mensch –, also eine Kreuzung. Er besaß viele typische Vampireigenschaften – atemberaubende Schnelligkeit, unglaubliche Kraft und die Fähigkeit, sich von beinahe allem zu heilen. Dazu kam noch die Gabe, die Geschöpfe der Nacht zu erkennen. Aber sobald sich sein Blut mit dem seines Papis vermischt hatte, war der Vampir in ihm erwacht. Er war fortgegangen, um diese dunkle Seite wieder zu unterdrücken. Allem Anschein nach war es ihm aber nicht gelungen.

Ich drehte mich um und machte mich auf den Weg zu meiner Tasche, in der nicht nur ein silbernes Messer, sondern auch, da wir ja mit dem Auto unterwegs waren, meine Pistole steckte.

Wie man einen Dhampir tötete, das wusste ich. Zweimal an der gleichen Stelle durchbohren. Beim letzten Mal hatte ich meinen Pfahl nur einmal in den Scheißkerl gesteckt. Diesen Fehler würde ich nicht noch mal machen.

„Er hat niemanden getötet.“ Summer versuchte mit mir Schritt zu halten.

„Das wissen wir nicht.“

Plötzlich blieb sie stehen, und ich tat es ihr gleich, warum weiß ich gar nicht, denn bei mir wirkte ihr Feenstaub überhaupt nicht.

„Er würde es nie tun“, sagte Summer, „und ich beweise es dir.“ Sie machte auf dem Absatz kehrt und schritt klickerklackernd davon.

Nach ein paar Ladenfronten machte sie halt und starrte auf das große Schild. BARNEBY’S GAP ARZTPRAXIS.

Was, zum Teufel, hatte sie vor?

Noch bevor ich sie fragen konnte, riss sie eine Brieftasche aus der Jeans – wie sie die zusammen mit ihrem Arsch in die Hose gekriegt hatte, grenzte wirklich an Zauberei – und öffnete die Tür.

Als ich zu ihr stieß, ließ sie gerade die Börse aufklappen und bellte: „FBI. Hat es hier einige unerklärliche Todesfälle gegeben?“

Wahrscheinlich riss ich den Mund genauso ungläubig auf wie der junge Mann an der Rezeption. Nur, dass er mit offenem Mund auf ihr Gesicht und ich auf die FBI-Marke starrte. In meinen Augen sah sie echt aus.

„Ich … äh, also. Hmm. Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Da sprechen Sie mal lieber mit dem Arzt, Agentin …“ Er beugte sich vor, schielte auf ihre Marke. „Tink.“ Er verschwand im Hinterzimmer.

„Agentin Tink?“, fragte ich. „Findest du das lustig?“

„Wahnsinnig“, sagte Summer, obwohl sie die Lippen fest aufeinandergepresst hielt und auch in ihren Augen kein Lachen stand.



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